Smart Home sei Dank – Teil 1: Saugroboter

 

„Nein, nicht über den Teppich, Kobold!“

Von J. Scharpenberg

 

Welche Gedanken kommen Ihnen, wenn Sie „Smart Home“ hören? Viele stellen sich ein rundum verkabeltes Einfamilienhaus vor, mit Bildschirmen an den Wänden zur Steuerung eines Hauscomputers. Dieser erledigt die Hausarbeit, sorgt für einen immer vollen Kühlschrank, hält Einbrecher fern und steuert wie von selbst Heizung und Rollläden. Beim Gedanken daran, was passiert, wenn mal der Strom ausfällt oder die WLAN-Verbindung versagt, schreiben viele das Projekt „Smart Home“ ab, ohne sich richtig zu informieren. In unserer Beitragsserie „Smart Home sei Dank“ stellen wir Ihnen einzelne Elemente vor, die Sie zu Ihrem Vorteil nutzen können, ohne Ihr Haus in einen Roboter zu verwandeln. Teil 1: Arbeitserleichterung dank des App-gesteuerten Saugroboters.

 

Der Kobold VR300 von Vorwerk

Getestet wurde das Modell Kobold VR300 der Marke Vorwerk. Vorwerk ist vor allem bei den älteren Generationen in aller Munde. Den ersten Kobold Staubsauger erfand das Unternehmen bereits 1930 und dementsprechend hoch schätze ich die technische Erfahrung und somit Qualität und Lebensdauer des Testprodukts. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass ich vorher noch keine Berührung mit Saugrobotern hatte. Die Resonanz aus dem Freundes- und Familienkreis zu solchen Geräten – vor allem den ersten, die auf den Markt kamen – war durchweg negativ. „Die saugen nicht, die Bürsten den Schmutz nur auf“, „In die Ecken kommen die Geräte eh nicht“ oder auch „Die sind das Geld nicht wert“. Vor allem bei Letzterem musste ich aufhorchen. Immerhin kostet das Modell von Vorwerk ganze 949 Euro (Stand: 1/2019; aktuelles Angebot bis 13. Januar: 899 €). Das ist ein stolzer Preis, für den ich auch erwarte, dass mir das Gerät das tägliche Staubsaugen zuverlässig abnimmt. Vorwerk wirbt: „Er hat die Arbeit, Sie das Vergnügen!“ Die Vorfreude ist groß.

Vorwerk Kobold VR300

Saugroboter: Bodenreinigung per App, spontan oder zeitgesteuert.

 

Die Einrichtung

Das Gerät macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Im Paket dabei sind ein Filter, eine kleine Bürste, das Netzkabel sowie die Basisstation, an der der Kobold sich auflädt, wenn er nicht saugt. Mit Hilfe der Bedienungsanleitung klappt die Einrichtung des Saugroboters schnell und unkompliziert. Filter einsetzen, Bürste aufstecken und die Station an einer geeigneten Stelle in der Wohnung abstellen. Geeignet heißt: Links und Rechts davon sollte der Saugroboter Platz zum Drehen und Wenden haben, die „Zufahrt“ von vorn sollte ebenfalls frei sein und natürlich wird eine Steckdose in der Nähe benötigt.

 

Kobold-App

Dann geht es an die App. Ich denke, dass man gut auf einen fest eingebauten Home Computer verzichten kann, wenn man dem gegenüber skeptisch ist. Ein speziell dafür eingerichtetes Smartphone oder Tablet, mit dem die smarten Geräte gesteuert werden können und auf das der ganze Haushalt Zugriff hat, reicht meiner Meinung nach vollkommen. Da sind dann auch keine privaten Bilder drauf oder andere wichtige Daten, auf die die Apps Zugriff hätten. Zur Kobold-App: Den Download starten Sie ganz einfach aus Ihrem Android- oder iOs-Appstore. Das Einrichten funktioniert auch hier ohne Probleme. Die Vorteile der App: Ich kann den Saugroboter aus der Ferne ein- und ausschalten, kann unterschiedliche Karten anlegen (z. B. bei mehrstöckigen Häusern), zwischen den Modi wechseln und werde benachrichtigt, wenn der Saugvorgang abgeschlossen oder aus irgendwelchen Gründen abgebrochen wurde.

Vorwerk Kobold VR300

In der App wird stets der aktuelle Reinigungsstatus angezeigt.

 

Bereiche abgrenzen

Bevor der richtige Praxistext beginnen kann, sollte sich der Saugroboter den Grundriss seines neuen Arbeitsortes einprägen. Heißt: Er erkundet – nachdem Sie die Tour in Ihrer App gestartet haben – zur Eingewöhnung alle Räume, dessen Ecken und Kanten. Nur, wenn er alle Wege kennt, findet er am Ende (oder wenn der Akku leer ist) selbstständig zur Basisstation zurück. Und nur so können Sie unerlaubte Bereiche, sogenannte No Go Lines, kennzeichnen. Das ist sehr wichtig. Denn wenn Sie nicht jedes Mal daneben herlaufen möchten, wenn der Kobold saugt, muss er wissen, wo er nicht weiter kommt. Auf hochflorigen Teppichen (ab 1,5 cm Höhe) ist dies nämlich der Fall. Die Bürste beißt sich fest und das Gerät bleibt stehen. Bei vielen anderen Hindernissen wie Fußleisten (bis 2 cm Höhe) hat der Kobold keine Probleme, da er eine eingebaute Kletterhilfe hat.

Vorwerk Kobold VR300

Vor der ersten Reinigung sollte ein Grundriss erstellt werden.

Vorher muss die Wohnung vorbereitet werden. Es sollten natürlich keine Gegenstände auf dem Boden liegen, Kabelsalate sollten entfernt und alle Türen geöffnet werden. Nachdem das erledigt ist, starte ich den Rundgang und beobachte meine neue Haushaltshilfe fasziniert: Kobold schüttelt sich kurz und gibt ein paar fröhlich klingende Laute von sich. Ich habe den kleinen Saugroboter schon jetzt lieb gewonnen. Nun muss nur noch getestet werden, ob er auch zum Saugen taugt oder ob ich ihn als Haustierersatz trotzdem behalte.

Der Rundgang läuft gut. Kobold orientiert sich zunächst an den Wänden und Möbeln. Später wagt er sich weiter hinaus und erkundet den Rest des Raums. Das Problem: Ich habe in fast jedem Raum einen Hochflorteppich liegen. Sobald Kobold diesen „betritt“, bleibt seine Bürste wie erwähnt hängen und der Rundgang wird abgebrochen. Aber ohne diesen Rundgang kann ich den Teppich nicht als verbotene Zone einzeichnen.

Um dieses Problem zu lösen, bietet Vorwerk spezielle Magnet-Begrenzungsstreifen an, mit denen ich Bereiche wie diese „absperren“ könnte. Die sind aber leider nicht im Lieferumfang enthalten. Schade, bei dem Preis. Ich helfe mir, indem ich die Teppiche mit einem Karton optisch abgrenze. (Dazu laufe ich neben dem Kobold her und bilde mit dem Karton eine Leitplanke am Rand des Teppichs. Funktioniert super und ich spare mir den Kauf des Magnetbands.)

Vorwerk Kobold VR300

Ultraschall- & Infrarotsensoren dienen der sanften Hindernisannäherung und erkennen Absturzgefahren.

 

Der Praxistest

Nachdem der Saugroboter sich von seinem ersten Rundgang erholt bzw. seinen Akku wieder aufgeladen hat, lasse ich ihn für mich arbeiten. Schüttel. Piep. Und los geht’s. Zwar spare ich mir mit dem Kobold die Mühe, selbst zu saugen, aber mehr Zeit habe ich dadurch momentan noch nicht: Ich beobachte ihn einfach zu gern, als dass ich mich um etwas anderes kümmern könnte. Es hat fast schon eine beruhigende Wirkung dabei zuzusehen, wie der Saugroboter sich systematisch über die Böden bewegt. Und dass ich ihn mit meinem Smartphone steuern kann, ist ein weiterer Pluspunkt – egal, ob spontan von unterwegs aus oder per Zeitplan. Laut Artikelbeschreibung lässt sich der Kobold zudem per Sprachbefehl über Amazon Alexa steuern.

Hat der kleine Haushaltshelfer seinen Job erledigt oder ist der Akku leer, findet er selbstständig zur Basisstation zurück und lädt sich auf. Anschließend setzt er seine Tour dort fort, wo er aufgehört hat. Der Akku hält laut Hersteller bis zu 90 Minuten und reinigt in der Zeit bis zu 120 qm Wohnraum. Bei seinem ersten Durchgang ging die Energie nach etwa 45 Minuten (im Normalbetrieb) zu Ende. Bei einem späteren Test im Eco-Modus hielt er fast doppelt so lange durch.

 

Das Ergebnis

Super! Der Kobold ist wirklich sehr reinlich. Biegt er um eine Ecke, setzt er in der Regel nochmal zurück, um mit seiner Seitenbürste auch wirklich jede Staubmaus einzusammeln. Dadurch, dass er die Räume systematisch – also Bahn für Bahn – durchgeht, statt querfeldein mal hier, mal dort zu saugen, bleibt keine Stelle dreckig – egal, ob auf Laminat oder Teppichboden. Und auch die Lautstärke hält sich in Grenzen. Vom Gefühl her ist er sogar leiser, als mein alter Staubsauger. Aber nun stehe ich auch nicht mehr direkt daneben, wenn er läuft. Im Idealfall bin ich nicht einmal zuhause. Der einzige Kritikpunkt. Die fehlenden Begrenzungsstreifen.

 

Reinigung

In den Pausen kann der VR300 gereinigt werden. Das funktioniert ganz einfach, indem der Staubbehälter dank Absaugöffnung mit einem handelsüblichen Staubsauber ausgesaugt wird. Natürlich kann der Behälter auch per Hand entleert werden. Zur leichteren Filterreinigung und laut Vorwerk „für eine verlängerte Lebensdauer“ besitzt der Saugroboter zudem einen Vorfilter. Bei Nutzung der App wird man daran erinnert, wenn der Staubbehälter geleert oder Filter und Bürste geprüft werden sollten.

Vorwerk Kobold VR300

Der Staubbehälter ist schnell und bequem entleert.

 

Technische Daten des Herstellers

  • Gewicht: 5 kg (Saugroboter ca. 4,2 kg, Basisstation ca. 0,8 kg)
  • Größe: Ca. 34 x 34 x 9 cm (L x B x H)
  • Energieverbrauch: Ca. 85 W im Normalbetrieb; Ca. 65 W im Eco-Modus; Ca. 0,5 W im Standby-Modus
  • Spannungsversorgung: 100-240 V AC, 50/60 Hz
  • Bürstenloser DC-Motor
  • Volumenstrom: 12-13 l/s
  • Geräuschemission: Ca. 70 dB(A) (gemessen unter Freifeldbedingungen auf Teppich)
  • Hauptbürste mit 1.800 Umdrehungen pro Minute im Normalbetrieb und 1.450 Umdrehungen pro Minute im Eco-Modus
  • Akkulaufzeit: Bis zu 60 Minuten im Normalbetrieb; Bis zu 90 Minuten im Eco-Modus
  • Ladezeit: 3-5 Stunden je nach Ladebedingungen (z. B. Raumtemperatur)
  • Modi: „Alle Räume“-Reinigung, „Spot“-Reinigung, manuell oder Eco

 

Der Markt ist groß

Natürlich ist der Kobold VR300 von Vorwerk nur einer von vielen Saugrobotern auf dem Markt. Ähnliche Modelle gibt es zum Beispiel von iRobot, Miele, Samsung, Dyson oder Kärche(hier ein Bericht von Stiftung Warentest). Ich habe für diesen Beitrag ganz bewusst eines der teuren Modelle gewählt, in der Hoffnung, den allgemein negativen Ruf dieser Haushaltshelfer widerlegen zu können. Wenn Sie mehr über mein Testobjekt erfahren möchten, finden Sie auf der Homepage von Vorwerk viele wissenswerte Infos und Videos zu Einrichtung, Bedienung und mehr.

 

Fotos: Vorwerk

 

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