Handyhalterungen im Fahrrad-Test

Alles passt, wackelt nicht und hat frische Luft

Von J. Scharpenberg

 

„Beim Radfahren lernt man ein Land am besten kennen, weil man dessen Hügel empor schwitzt und sie dann wieder hinuntersaust.“ (Ernest Hemingway, Schriftsteller, 1899 – 1961)

 

Wir wollen hier nicht auf die Vor- und Nachteile der Erfindung Smartphone eingehen. Aber: Ja, die Geräte sind im Alltag nicht mehr wegzudenken. Und ja, sie spielen oft – sowohl beruflich als auch privat – eine viel zu große Rolle. Darum sage ich: Schließen wir einen Kompromiss. Wir radeln ein Stück durch die Natur und nutzen das Gerät, um uns nicht zu verfahren, keine Sehenswürdigkeit zu verpassen. Und das geht am besten mit einer entsprechenden Handyhalterung für den Lenker. Zur Verfügung gestellt wurden mir drei Modelle, die fast so gegensätzlich sind wie die Technik und das unberührte Stück Natur, das ich erforscht habe …

Vom Wald her zwitschern die Vögel, ohne von Verkehrslärm gestört zu werden. Die Bäume werfen ihre Schatten auf den schmalen Feldweg. Genau wie mein Fahrrad und ich. Und obwohl ich nicht genau weiß, wo ich mich gerade befinde (irgendwo in der Nordrhein-Westfälischen Feldflur zwischen Hamm und Beckum), fühle ich mich sicher. Schließlich habe ich mein Handy dabei und könnte jederzeit eine App öffnen, die mir Standort und (Rück-)Wege anzeigt. Aber dazu später mehr.

 

Vorher drehen wir die Uhr zwei Stunden zurück:

 

Die Reifen haben Luft, Proviant ist eingepackt und der Akku meines Smartphones ist geladen. Für letzteres fehlt nur noch eine Befestigung. Zur Wahl stehen Bike Citizens‘ „Finn – die universelle Halterung“, Rubberman – „Die Halterung für Handy & viel mehr“ und Velo X der Marke OSO.

Ich entscheide mich dazu, für die ersten Kilometer den Rubberman zu nutzen. Ich lebe recht umweltbewusst – zumindest versuche ich es – und diese Handyhalterung besteht aus recyceltem Traktorschlauch (leider ist die Verpackung aus Plastik). Das Gummi scheint recht hart, aber flexibel. Dennoch bin ich skeptisch, ob mein nicht gerade schlankes S7 kompatibel ist.

Handyhalterung Rubberman

Aus recyceltem Traktorschlauch besteht die Handyhalterung Rubberman.

Die Anbringung ist aber einfach: Ich lege den Rubberman einmal um die Lenkerstange, schiebe das eine Ende durch den Metallring, der am anderen Ende befestigt ist, und spanne dann alle Ecken des Gerätes durch die Löcher des Gummis. Das lässt sich weit genug dehnen und wirkt auch sehr stabil und rutschfest.

Es geht los, die Praxistest-Kilometer laufen. Aus der Stadt heraus fahre ich Richtung Bauernschaft und starte auf dem ersten Feldweg ein kurzes Telefonat mit einer Freundin. Dabei radle ich weiter. Keine negativen Vorkommnisse. Alles passt, wackelt nicht und hat frische Luft.

Nach etwa vier Kilometern mache ich eine Pause. Im Schatten eines Baumes steht eine Bank. Ich setze mich und hole die nächste Handyhalterung aus meiner Tasche: Finn. Das Prinzip ist ähnlich, nur ist dieses Produkt aus Silikon (dafür ist aber die Verpackung aus umweltfreundlichem Karton). Einen Metallring gibt es auch nicht. Zur Anbringung ziehe ich einfach das eine Ende durch einen Schlitz am anderen Ende. Der Kraftaufwand ist hier nicht so groß wie beim Traktorschlauch. Aber ich habe auch hier das Gefühl, dass mein Handy sicher an der Stange festsitzt.

Handyhalterung Finn

Schonend für Smartphone und Lenker ist das flexible Silikon des Finn.

Ich schwinge mich wieder auf den Drahtesel und fahre Slalom. Mal schneller, mal langsamer. Bergauf und bergab. Alles sitzt. Sogar als es überraschend anfängt zu nieseln, verrutscht nichts. Drei-Wetter-Finn. Glücklicherweise klart der Himmel schnell wieder auf. Ich trockne mein – laut Hersteller wasserfestes – Smartphone mit einem Wisch meines Ärmels ab und lasse es Musik abspielen. The Chainsmokers übertönen etwas die Autobahn, die sich jetzt in der Nähe befindet und die ich gleich auf einer Brücke überquere.

Fünf Minuten später habe ich auch das geschafft und mein Handy klemmt noch immer am Lenker. Zeit, die dritte Handyhalterung zu testen.

Velo X kommt ganz anders daher: Mehrere Teile befinden sich in einem kleinen Karton, inklusive Schraube und Inbusschlüssel. Eine Beschreibung ist leider nicht enthalten. Also beginne ich damit, die Arme am Halter-Teil auseinanderzuziehen und lege mein Handy rein. Mit einer kleinen Schraube an dessen Rückseite stelle ich das Ganze fest. Dann nehme ich das Kugelgelenk aus der Verpackung, das offensichtlich am Lenker festgeschraubt wird. Überlegt, getan.

Handyhalterung Velo X

Die Montage dauert beim Velo X eindeutig am längsten. Für lange Touren lohnt sich der Aufwand.

Zum Schutz unterschiedlich dicker Lenkerstangen (auch die Befestigung an Kinderwagen und Co. sind möglich) sind mehrere Gummistreifen dabei, die zum Anpassen in den Ring gelegt werden können. Diesen schraube ich fest. Dann nehme ich mir eines der Silikonbänder, die das Smartphone zusätzlich nach oben und unten hin sichern sollen (inklusive sind rot und schwarz), lege es am hinteren Teil der Halterung um eine große Schraube und hoffe, dass das so richtig ist.

Die Ecken des Silikonbands ziehe ich wie bei Finn und Rubberman um das Smartphone, befestige dann alles am Kugelgelenk und ziehe dieses mit der großen Schraube fest. Ich muss sagen: Mein Handy könnte wahrscheinlich nicht einmal ein Sturz vom Rad reißen. Ich habe das Gefühl, es sitzt bombenfest. Auch den Praxistest besteht die Halterung, sogar als ich mehrere hundert Meter über Schotter rattere.

 

Aber muss es so eine – im Vergleich aufwendig zu montierende – Handyhalterung sein? Oder reicht der Traktorschlauch, der es mir allein wegen seiner ungewöhnlichen Herkunft angetan hat?

 

Mein Fazit: Dieses Triell gewinnt Rubberman, ganz dicht gefolgt von Finn. Für mich persönlich – ich habe leider nur selten Zeit für eine lange Tour mit dem Rad – ist Finn die unkomplizierteste Handyhalterung von den drei getesteten. Sie ist leicht, elastisch und schnell montiert. Das Handy hält, aber nicht ganz so fest wie beim Rubberman. Der Traktorschlauch ist zwar etwas steifer, hat das Smartphone dafür aber auch besser im Griff. Und mit der Zeit wird das Gummi sicherlich auch flexibler. Sein Pluspunkt: Der Recycling-Gedanke.

Ginge es in diesem Test nur um die Stabilität, hätte allerdings Velo X das Rennen gemacht. Für den alltäglichen Gebrauch ist mir die Montage zu umständlich, vor allem für lange Radtouren ist diese Halterung aber durchaus empfehlenswert. Ihr Pluspunkt: Das Kugelgelenk ermöglicht das Drehen und Wenden des Smartphones. Und wenn man keine Angst hat, dass die Halterung gestohlen wird, muss sie auch nicht ständig abgeschraubt werden.

Doch auch Finn hat einen Pluspunkt: Die Hersteller haben sich Gedanken gemacht und sogar eine eigene Fahrrad-App entwickelt. Diese verspricht: „Bringt dich zu jeder Adresse. Zeigt dir neue Orte in deiner Stadt. Erstellt dein persönliches Bike-Profil.“ So ist jeder Hobby-Radler mit Finn voll ausgestattet und kann alternativ zur Spazierfahrt in die Natur auch ausgiebige Städtetrips planen. Und genau jetzt bin ich wieder am Anfang meines Beitrags, mitten in der Feldflur. Ich starte Google Maps und trete den Heimweg an …

 

Übersicht:
 RubbermanFinnVelo X
HandlingAls Schlüsselanhänger nutzbarPasst in jede HosentascheEinzelteile verlieren sich in der Handtasche
Material & MontageRobuster Traktorschlauch; einfache MontageSehr flexibles Silikon; schnelle & einfache MontageHochwertiges Plastik und flexibles SIlikon; Montage dauert etwas länger
Zubehör & ExtrasAnleitung in der VerpackungAnleitung & Infos zur App in der VerpackungEin Silikonband zusätzlich als Ersatz; zwei Jahre Garantie
PraxistestHält fest & sicher; schnelle DemontageHält sicher; schnelle DemontageHält bombenfest; Demontage dauert etwas länger
Preis beim Hersteller14,95 €15 €20 €

 

 

Handyhalterung Velo X Handyhalterung Rubberman Handyhalterung Finn

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.