1. Hilfe bei Wasserschaden?

 

Wiselive Rescue-Kit im Wasserschaden-Praxistest

Von J. Scharpenberg

 

Flüssigkeitsschäden sind bei Smartphones hoch im Kurs. Steckt das Gerät in der Hosentasche, springt es beim Ausziehen dieser gerne mal in die Toilette. Aber auch das versehentliche Begießen mit Cola, Kaffee und Co kommt nicht so selten vor, wie Sie es vielleicht denken. Auch von Pools und Badeseen fühlen sich Smartphones immer öfter angezogen. Das Gerät ist in solchen Fällen für die Tonne, da in der Regel wichtige Platinen irreparabel beschädigt werden. Das Wichtige aber sind die Daten, die auf dem Gerät gespeichert sind: Fotos, Dokumente etc. möchten gerettet werden, bevor sich das Gerät dazu entscheidet, den Geist komplett aufzugeben. Für die erste Hilfe gibt es das Rescue-Kit von Wiselive. Wir haben zwei funktionierende Geräte geopfert und das Wasserschaden-Rettungsset getestet.

 

Das Kit

Erhältlich ist das Rescue-Kit zum Beispiel bei Aquapac, einer Premium-Marke für wasserdichte Produkte wie Smartphone-Hüllen, Kamera-Taschen, Rucksäcke und vielem mehr. Optisch erinnert mich das Rescue-Kit an eine Wundertüte für Kinder. Umso gespannter bin ich, was in dem Beutel drinsteckt. Die Ernüchterung folgt beim Öffnen: Im Beutel befindet sich ein Beutel, sonst nichts. Ein weißer Beutel mit laut Beschreibung „hochwirksamen Molekular-Sieben, ein Trocknungsmittel“. Weiter heißt es: „Wiselive Molekular-Siebe enthalten sichere und harmlose Absorptions-Rohstoff- und Verpackungsmaterialien. Wiselive ist giftfrei, schadstofffrei, zersetzt sich nicht, ist sicher und umweltfreundlich. Es kann in direkten Kontakt mit dem Produkt und dem menschlichen Körper kommen.“ Das hört sich schon mal gut an.

Wasserschaden Rettungsset

Das Rescue-Kit sieht auf den ersten Blick aus wie eine Wundertüte für Kinder.

 

Anleitung

Auf der Rückseite des Rescue-Kits steht genau geschrieben, was im Falle eines Wasserschadens zu tun ist:

  • Das feucht gewordene Gerät sofort ausschalten! Entfernen Sie etwaige Schutzhüllen und entnehmen Sie SIM- und ggf. Speicherkarte sowie Akku. Trocknen Sie sichtbare Nässe an allen Teilen des Gerätes ab.
  • Öffnen Sie den Wiselive-Beutel, legen Sie alle feuchten Teile hinein und verschließen den Beutel fest. Da der Beutel ein Innenmaß von 17,5 x 22,5 cm hat, passen Smartphones, kleine Digitalkameras, Uhren, Mini-Tablets und andere Dinge problemlos hinein.
  • Je nach Größe des Gerätes bzw. der Feuchtigkeitsmenge kann das Trocknen mindestens 48 Stunden dauern.
Wasserschaden Rettungsset

Was man dafür braucht? Den Beutel im Beutel und ein Gerät mit Wasserschaden.

 

Hinweise

Zu den Hinweisen des Herstellers gehört unter anderem, dass der Beutel während der Trocknungszeit gut verschlossen bleiben muss, dass das Gerät erst wieder eingeschaltet werden sollte, wenn dieses getrocknet ist und dass es keine Erfolgsgarantie für die Funktion des Rescue-Kits gibt.

Aus Sicht unserer Experten sind Geräte nach einem Wasserschaden wie gesagt immer auf irgendeine Weise beschädigt, so dass ein Rettungsset wie dieses höchstens erste Hilfe für die Datenrettung bietet. Selbst dann, wenn das Gerät nach der Trocknung vermeintlich wieder einwandfrei funktioniert, wird sich nach einer gewissen Zeit herausstellen, welche Platinen beschädigt sind. Oft zeigen sich die ersten Defekte am Touchscreen oder beim Ladevorgang. Manchmal aber auch direkt am Bildschirm, so dass Teile davon plötzlich schwarz bleiben. Wir empfehlen daher immer eine Handyversicherung abzuschließen, um solchen und vielen anderen möglichen Schäden vorzubeugen – nicht nur in Folge eines Flüssigkeitsschadens, sondern auch bei anderen Unfällen.

Wasserschaden Rettungsset

Das erste Testobjekt: Ein Samsung Galaxy S7.

 

Praxistest

Mein 1. Opfer: Ein Samsung Galaxy S7. Ja, es ist laut Hersteller wasserdicht. Aber wann bekommt man schon die Gelegenheit, das zu überprüfen? Das Gerät habe ich gemütlich im Waschbecken gebettet und das Wasser aufgedreht, bis es gänzlich damit bedeckt war. Vor allem aus der Ladebuchse stiegen viele Bläschen auf. Ich hatte das Gefühl, das S7 läuft mit Wasser voll. Der Bildschirm aber leuchtete auch dann noch, als das Gerät bereits seit einer Minute unter Wasser war. Trotzdem hielt ich mich an die Anleitung von Wiselive: Ausschalten, abtrocknen, in den Beutel legen, diesen fest verschließen und 48 Stunden (sicher ist sicher) warten. Das Ergebnis: Nach dem Einschalten funktionierte das Gerät auf den ersten Touch ohne Probleme. Ob das nun am Rescue-Kit lag oder ob das Gerät schon vorher keinen Schaden erlitten hat, kann ich allerdings nicht sagen.

Wasserschaden Rettungsset

Das zweite Wasserschaden-Opfer: Ein iPhone 6.

Darum habe ich mir ein zweites Opfer gesucht und eines gefunden, das nicht als wasserdicht angepriesen wird: Ein iPhone 6. Dieses Gerät habe ich demselben Prozedere ausgesetzt: Wasser marsch im Waschbecken inklusive einer Minute Tauchbad. Schon während das Wasser noch lief, ging das Gerät aus. Ich glaube, ich habe ein besonders wehleidiges Objekt erwischt. Der Akku war zumindest noch fast voll. Ausschalten war demnach nicht nötig. Ich trocknete es ab und legte es für 48 Stunden in den Trocknungsbeutel. Das Ergebnis: Das iPhone ließ sich einschalten, so dass ich die Daten retten konnte. Auf etwaige Langzeitschäden habe ich das Gerät allerdings nicht überprüft.

 

Fazit

Zur Datenrettung bei nicht wasserdichten Smartphones und anderen Geräten schadet es nicht, so ein Rescue-Kit in Petto zu haben. Ob es immer funktioniert, dafür gibt es zwar keine Garantie. Aber wenn die wertvollen Fotos und Dokumente plötzlich in einem Gerät mit Wasserschaden eingesperrt sind, ist einem doch jedes Mittel recht, diese wiederzuerlangen. Oder nicht? Der Preis für das Wasserschaden-Rettungsset: 10 € bei Aquapac.de (Stand: 6/2019).

 

Lesen Sie auch: Handyversicherung – sinnvoll oder nicht?

 

Fotos: J. Scharpenberg

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.